Silke Grabinger
INTERVIEW
In diesem Gespräch reflektiert die Choreografin und Performerin Silke Grabinger über ihre vielschichtige künstlerische Praxis an der Schnittstelle von Tanz, Performance und Robotik. Ausgehend von ersten Erfahrungen mit starren Industrierobotern bei der Ars Electronica 2018 über mobile wie Spot (der hundeähnliche Roboter von Boston Dynamics) bis hin zu Ensembles aus Haushaltsrobotern beleuchtet sie das Phänomen der Anthropomorphisierung: Das menschliche Gehirn projiziert fortlaufend menschliche Züge, Emotionen und Absichten auf bewegte Maschinen, wodurch der Roboter auf der Bühne zu einem neutralen Projektionsraum (Vessel of Meaning) für das Publikum wird. Silke Grabinger zeigt auf, wie Robotik und Motion-Tracking dazu dienen können, die ephemere physische Präsenz einer choreografierten Bewegung materialisiert für die Zukunft zu konservieren und so einen virtuellen Pas de Deux mit dem eigenen Selbst zu ermöglichen. Gleichzeitig warnt sie vor den psychologischen Gefahren einer unbewussten emotionalen Abhängigkeit von KI-Systemen und plädiert für eine gezielte künstlerische Dekonstruktion dieser Technologie. Fragen der Autorenschaft knüpft sie dabei strikt an den Datenschutz, indem sie eine geteilte Autorenschaft mit kommerziellen, datensammelnden Systemen ablehnt und stattdessen für eine bewusste, reflektierte Abgrenzung zwischen Mensch und Maschine eintritt.
Silke Grabinger verbindet in ihren Arbeiten und Konzepten urbanen und zeitgenössischen Tanz mit performativer Kunst und Robotik. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen, künstlerischen Paradigmen und der Funktion bzw. Stellung des Publikums.
Im aktuellen Projekt QUANTWIN hinterfragt sie das Konzept des „Zwillings“ in einer Zeit, in der sich digitale und robotische Zwillings-Welten unsere Realität neu definieren.